Hochschulen einigen sich auf Anwendung des DGWF-Transparenzrasters und die Nutzung gemeinsamer Abschlüsse

25. August 2021

Hochschulen einigen sich auf Anwendung des DGWF-Transparenzrasters und die Nutzung gemeinsamer Abschlüsse

Im August dieses Jahres haben sich Hochschulen in Sachsen-Anhalt bereit erklärt, zukünftig die von der Deutschen Gesellschaft für Wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF) empfohlene Abschlusssystematik zur Verbesserung der „Struktur und Transparenz von Angeboten der wissenschaftlichen Weiterbildung an Hochschulen in Deutschland“ und hier insbesondere die Abschlussformate CBS*, DBS* und CAS*, DAS* bei der Entwicklung kleinteiliger Studienangebote im angemessenen Rahmen zu nutzen.

WAS GING DEM VORAUS?
In Deutschland fehlte es bislang an einem übergreifenden System von Bezeichnungen und Richtlinien, das eine Transparenz und Vergleichbarkeit von Abschlüssen in der wissenschaftlichen Weiterbildung ermöglicht. Die Hochschulen und Universitäten in anderen Ländern, wie der Schweiz, sind hier voraus. Dort hat man sich bereits auf gemeinsame Standards als Grundlage für die wissenschaftliche Weiterbildung geeinigt. Einen ersten Schritt in diese Richtung hat hierzulande die Deutsche Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF) unternommen. Die DGWF Landesgruppe Baden-Württemberg verfolgt seit Jahren das Anliegen, die Vielfalt der Weiterbildungsangebote, -formate und -abschlüsse der Hochschulen übersichtlich und transparent zu gestalten. 2018 wurde eine deutschlandweite Abschlusssystematik für wissenschaftliche Weiterbildungsangebote erarbeitet und publiziert. In diesem Papier wird das differenzierte Angebotsspektrum der wissenschaftlichen Weiterbildung strukturiert und übersichtlich gebündelt. Berücksichtigt werden dabei die hochschulrechtlichen Rahmenbedingungen, an die die Weiterbildungseinrichtungen gebunden sind. Dieser Vorstoß lehnt sich an das schweizerische System wissenschaftlicher Weiterbildungsabschlüsse an und systematisiert erstmals auch Kurzformate wie CBS/CAS bzw. DBS/DAS. Darüber hinaus orientiert sich die Abschlusssystematik der DGWF am Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR). Der Orientierungsrahmen bezieht sowohl das Bachelor- als auch das Masterniveau ein.

WORIN LIEGT DER NUTZEN STANDARDISIERTER ABSCHLÜSSE UND FLEXIBLER FORMATE?
Die durch Leistungspunkte, den ECTS*, gewichteten und damit vergleichbaren Abschlüsse werden auf dem Arbeitsmarkt für alle Beteiligten nachvollziehbar und erhalten ein hohes Maß an Anschlussfähigkeit innerhalb des deutschen und auch des internationalen Bildungssystems. Ein aufeinander aufbauendes System der (Weiter-)Bildung wird damit geschaffen und eröffnet Interessierten neue Wege. Kurzzeitige Weiterbildungsangebote können beispielsweise nach Erreichen einer bestimmten Anzahl an Leistungspunkten, zu Zertifikaten zusammengeführt werden. Die Kompatibilität ermöglicht es Teilnehmenden, auch hochschulübergreifend, im Baukastenprinzip peu à peu von einer Kurzzeit-Weiterbildung über einen Zertifikatskurs zu einem weiterbildenden Bachelor- oder Masterabschluss zu gelangen.
Dies führt zu Veränderungen im (Weiter-)Bildungsverhalten der Menschen, insbesondere im wissenschaftlichen bzw. akademischen Bereich. Ein Vorteil für Weiterbildungswillige besteht darin, dass der Zugang zu den Angeboten der Hochschulen und Universitäten stark vereinfacht wird. Interessierte können zunächst mit geringerem zeitlichem und finanziellem Aufwand Kurse belegen und diese Form der Weiterbildung für sich testen. Angebote unterhalb von Studiengängen werden für Weiterbildungsinteressierte attraktiver und die Hochschulen rücken als Anbieter von Weiterbildung näher in den Fokus. Qualifizierung kann immer dann stattfinden, wenn zeitliche und finanzielle Ressourcen vorhanden sind und/oder akute Wissenslücken geschlossen werden müssen. Die dabei erlangten Abschlüsse kommen in den persönlichen „Pool der Qualifikationen“ und können ggf. zu einem späteren Zeitpunkt zu einem akademischen Abschluss führen.

Hochschulen und Universitäten zeigen durch diese erweiterte Transparenz einmal mehr was sie sind, moderne Bildungseinrichtungen die ihre Exzellenz in Lehre und Forschung verschiedenen Anspruchsgruppen bedarfsgerecht eröffnen.

WIE KAM ES ZU DIESER GEMEINSAMEN ERKLÄRUNG?
Im Land Baden-Württemberg besteht seit Februar 2018 eine Vereinbarung der Hochschulen und Universitäten über die Nutzung einheitlicher Abschlüsse. Im Projekt „Wissenschaftliche Weiterbildung für KMU in Sachsen-Anhalt“, in dem die Hochschulen Anhalt, Harz und Merseburg seit 2006 einen Verbund der wissenschaftlichen Weiterbildung leben, werden seit langem entsprechende Angebote erprobt. Daraus ging auch der Wunsch hervor dem guten Beispiel Baden-Württembergs zu folgen und durch eine gemeinsame Erklärung zu festigen. Auch die Magdeburger Hochschulen, mit denen über den Verbund hinaus gute Kooperationen bestehen, waren in die Vorbereitung einer gemeinsamen Erklärung involviert. Im Mai 2021 wurde ein entsprechendes Dokument in den Umlauf gegeben und seit August haben alle Verbundhochschulen sowie die kooperierende Hochschule und die Universität in Magdeburg die Erklärung unterzeichnet.

Glossar

ECTS [EUROPÄISCHE SYSTEM ZUR ÜBERTRAGUNG UND AKKUMULIERUNG VON STUDIENLEISTUNGEN] CBS [CERTIFICATE OF BASIC STUDIES] CAS [CERTIFICATE OF ADVANCED STUDIES] DBS [DIPLOMA OF BASIC STUDIES] DAS [DIPLOMA OF ADVANCES STUDIES]

Kontakt und Information
Projekt „Wissenschaftliche Weiterbildung für KMU in Sachsen-Anhalt“
Leiter Andreas Kröner
andreas.kroener@hs-merseburg.de
Tel: 03461-46 2928