Physician Assistant – das neue Berufsbild in der Medizin

19. Oktober 2020

Physician Assistant – das neue Berufsbild in der Medizin

Ein neuer berufsbegleitender Studiengang an der Hochschule Anhalt sorgt für Aufsehen. Hinter dem Namen „Physician Assistance“ verbirgt sich die deutsche Bezeichnung „Arztassistenz“.

Zur Eröffnung am 12. Oktober in Köthen mit den ersten 17 Studierenden des Fachs sagt der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalts, Dr. med. Burkhard John: „Im Jahr 2032 erwarten wir unseren Hochrechnungen zufolge Hunderte unbesetzter Arzt- und Hausarztstellen in Sachsen-Anhalt und damit ein großes Defizit im Gesundheitssystem, welches sich insbesondere negativ auf die sowieso schon lückenhafte Versorgung in den ländlichen Gebieten auswirken wird. Der neue Beruf des Physician Assistant, der das ausgleichen soll, erhält hierdurch seine maßgebliche Brisanz.“ Denn das Konzept der Zukunft seien Versorgungszentren, in denen Ärzte verschiedener Disziplinen sich Hand in Hand im Sinne der ganzheitlichen medizinischen Versorgung um das Wohl der Patient*innen kümmern. Erschwerend komme nämlich hinzu, dass zukünftig komplexe morbide Störungen überdurchschnittlich alt werdender Patient*innen das Krankheitsbild bestimmen würden, die entsprechend behandelt werden müssten, so der erfahrene Mediziner.

Einen der wesentlichen Pfeiler bei der Ergänzung der hoheitlichen ärztlichen Aufgaben stellt demzufolge der neue Beruf des Physician Assistant (PA) dar, der nach dem siebensemestrigen erfolgreich abgeschlossenen Bachelorstudium mit der Spezialisierung auf die hausärztlich-ambulante Medizin ausgeübt werden kann. Damit folgt auf die medizinischen Fachangestellten, die Nicht-ärztlichen Praxisassistenten (NäPa-Ausbildung) sowie die Versorgungsassistenten in der Hausarztpraxis (VeraH-Ausbildung) der Physician Assistant mit der engsten Position zum Arzt. Denn das Besondere ist: Er darf delegierbare Aufgaben seines Vorgesetzten eigenständig am Patienten übernehmen. Damit entlastet er diesen von vielen Routinearbeiten und gibt ihm gleichzeitig die Möglichkeit, sich auf die eigentliche Kompetenz als Mediziner zu konzentrieren.

Die Nachfrage nach dem neuen Abschluss „Physician Assistance (B.Sc.)“ ist so groß, dass die Hochschule Anhalt innerhalb des Umsetzungszeitraumes von nur drei Monaten etwa 100 Anfragen dazu erreichten. Mit 17 Studienanfängern mit Schwerpunkt aus Sachsen-Anhalt und Niedersachsen startet die erste Matrikel nun in das Wintersemester 2020/21 und auch für das nächste Wintersemester gibt es bereits Nachfragen. „Ich beobachte schon seit etwa fünf Jahren den PA und inzwischen eine deutliche Zunahme und Präsenz des Berufsbilds“, berichtet auch die Studierende Wiebke Preuß aus Berlin, die besonders von der Ausgestaltung des Studienangebots begeistert ist: „Ich habe mich mit mehreren Hochschulen auseinandergesetzt. Dabei war mir besonders wichtig, wie die einzelnen Studienformate aufgebaut sind. Seit über 20 Jahren bin ich nun schon im Rettungsdienst tätig und auch während meines Studiums finanziell auf den Job angewiesen. Die Hochschule Anhalt setzt zwar einen hohen Selbststudienanteil voraus, aber dafür dann eine geringere Präsenzzeit vor Ort. Trotzdem komme ich auch in den Genuss, persönliche Zeit mit meinen Kommilitoninnen zu verbringen.“

Der wissenschaftliche Leiter Prof. Dr. Thomas Karbe betont in seiner Begrüßung, dass der PA den Arzt niemals ersetzen wird, sondern ihn sehr effizient unterstützen kann. Die Studieninhalte werden von Professorinnen und Professoren der Hochschule Anhalt in Kooperation mit praktizierenden Ärzten aus Kliniken und Praxen und Professoren aus kooperierenden Hochschulen vermittelt. Den Ausrichtungsrahmen legt die Hochschule gemeinsam mit dem Hausärzteverband und der Kassenärztlichen Vereinigung fest.

Oberbürgermeister Bernd Hauschild erklärt, er würde sich freuen, wenn manchem Studierenden die Stadt Köthen so sehr ans Herz wächst, dass schließlich der Entschluss gefasst wird in der Region zu bleiben. Wiebke Preuß motiviert nun erst einmal, dass sie „alles miteinander verbinden kann“ was ihr wichtig ist. „Und deshalb freue ich mich nun schon sehr auf das Studium und hoffe, dass ich danach meinen Teil zur Stärkung dieses wichtigen neuen Berufsbilds beitragen kann.“

Mehr Informationen zum Studium

Kontakt zur Studienkoordinatorin
Susanna Kersting
E-Mail: susanna.kersting@hs-anhalt.de
Tel: +49 (0) 3496 6719 23

Fotogalerie von der Eröffnung des Studiengangs 

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